Das Tankstellenmuseum im Internet
12. Mai 1925 ein milder Frühlingstag!
Hindenburg wird zum Reichskanzler gewählt. Einige wenige Autos holpern über das Kamenzer Pflaster. Zum Tanken fahren diese Autos wie seit Jahren zu Drogerien, Apotheken oder Autowerkstätten, wo aus 10 l - Kanistern das Benzin ins Auto gefüllt wird.
An diesem Tag erhält Schmiedemeister Richard Feuchtemeyer die Genehmigung zum Bau der ersten Tankstelle in Kamenz.
Ein Vertrag mit der deutschen Tochter der Shell - der Rhenania AG in Düsseldorf - ist schon unterzeichnet.
Leider ist nicht überliefert, wann die Zapfsäule aufgebaut und der Erdtank
vergraben wurde, man weiß nicht, wann das erste Auto betankt wurde.
Am Anfang gab es einen Tank mit einer Zapfsäule - im Beamtendeutsch der damaligen Zeit Pumpständer genannt.
1929 wurde unsere Tankstelle erweitert, ein zweiter Erdtank wurde vergraben, eine zweite Säule aufgestellt.
So konnte man zwischen zwei Sorten Benzin wählen: Shell - das einfache Normalbenzin oder Dynamin, ein Benzin-Benzol-Gemisch, der Superkraftstoff aus der Anfangszeit der Tankstellen.
Vermutlich um 1935 wurde das massive Tankstellengebäude errichtet, von nun an konnte das Tanken unter einem schützenden Dach erfolgen. Es entstand das uns heute vertraute Bild an der Ecke Bautzener/Breite Straße.
Nach 1945 wurde aus Shell Minol. Noch über 20 Jahre verkaufte man an der Minol-Tankstelle aus den alten Shell-Zapfsäulen Benzin.
Ende der 60er Jahre wurden leider die alten Säulen verschrottet, unsere Tankstelle erhielt elektrisch betriebene Zapfsäulen. Über 40 Jahre pumpte man das Benzin mit der Hand, doch jetzt begann ein neues Zeitalter.
Nach dem Bau der neuen Minol-Tankstelle an der Nebelschützer Str. mußte Feuchtemeyers Tankstelle für immer schließen.
Im Frühjahr 1999 entschlossen wir uns, das inzwischen halbverfallene Tankstellengebäude zu restaurieren und auch wieder zwei alte Zapfsäulen und Ölkabinette aufzustellen. Der Grundstein zu einer einmaligen Sammlung war gelegt.
Unsere Sammlung besticht nicht durch ihre Größe, es ist vielmehr die Detailtreue und die aufwendigen Restaurationen äußerst seltener Stücke, die unsere Sammlung zu einer einzigartigen Reise in die 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts machen.
Neben wunderschön restaurierten Zapfäulen - so z.B. eine emaillierte Leuna-Zapfsäule sowie eine komplett originale Shell-Zapfsäule mit Umschalter Shell-Dynamin - kann man sich viele unrestaurierte Stücke ansehen. Man erhält einen Einblick, wieviel Arbeit notwendig ist, um ein solches technisches Denkmal wiederauferstehen zu lassen.
Sie wollen uns besuchen? Setzen Sie sich mit uns in Verbindung - ein Besuch unseres Museums ist jederzeit möglich.
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